Restbestände des Buches "Herbst'89 in Eilenburg" können gegen eine kleine Spende an unseren Verein im Museumsshop Eilenburg abgeholt werden.

Im Herbst 1989 setzten sich Tausende Menschen in der DDR, darunter auch zahlreiche Eilenburger, friedlich gegen das bestehende politische System zur Wehr. Sie schrieben Geschichte, denn Sie waren dabei, der Weltgeschichte eine gewichtige Wendung zu geben.
Seit diesen bewegenden Tagen des Herbstes 1989 sind mehr als 20 Jahre vergangen. Historisch betrachtet ein sehr kurzer Zeitraum.
Für die einen, die dabei gewesen waren, sind die Ereignisse lebendig geblieben und mit unvergesslichen Erinnerungen verbunden, so oder so. Für andere und besonders die Nachgeborenen ist das damalige Geschehen bereits finsterste Vergangenheit. Wesentliche Impulse der friedlichen Revolution, wie wir heute rückblickend die Massenproteste des Jahres 1989 bezeichnen, gingen von den Leipzigern und den Bewohnern des näheren Umlandes aus.
Auch Eilenburger nahmen an den montäglichen Friedensgebeten und Demonstrationen in der damaligen Bezirksstadt Leipzig teil. Erst wenige, dann wurden es immer mehr, die den Mut zum öffentlichen Protest fanden.
Ja, es gehörte viel Mut dazu, denn niemand konnte vorhersehen, wie die Staatsmacht der DDR darauf reagieren würde. Die meisten hatten die Fernsehbilder der in Blut erstickten friedlichen Demonstrationen in Chinas Hauptstadt Peking vor Augen und die menschenverachtenden Kommentare der DDR-Führung noch in den Ohren. Viele hatten das in Leipzig zusammengezogene Gewaltpotential der DDR-Mächtigen mit eigenen Augen gesehen und manche bereits die Gewalt zu spüren bekommen. Man war der Willkür des Staates scheinbar ohnmächtig ausgesetzt.
Trotzdem begann sich langsam der Widerstand zu formieren. Lange, bevor es zu den ersten massenwirksamen Aktionen in Eilenburg kam, hatten sich aus unterschiedlichsten Beweggründen Menschen in kleinen Gruppen, häufig unter dem Dach der Kirchen, zusammengefunden, um die bestehenden Verhältnisse und Missstände zu dokumentieren, zu diskutieren, öffentlich zu machen und nach Veränderung zu streben.
Denn auch in der damals 23 000 Einwohnern zählenden Kreisstadt Eilenburg waren überall der Verfall und die Stagnation spürbar, sichtbar, hörbar, riechbar. Wenige Tage nach dem 40. Geburtstag der DDR, der trotz zahlreicher Proteste mit dem üblichen selbstverherrlichenden Pomp von der greisen Staatsführung gefeiert wurde, kam es in der Nikolaikirche zur ersten größeren friedlichen Protestkundgebung. Anlässlich der Vorstellung einer der tragenden Bürgervereinigungen jener Tage - des Neuen Forums - versammelten sich rund 800 Personen in der städtischen Pfarrkirche. 14 Tage später erlebte die friedliche Bewegung in Eilenburg ihren Höhepunkt. Schätzungsweise 6000 - 7000 Bewohner Eilenburgs und umliegender Dörfer und Städte folgten dem Aufruf des -Neuen Forums- und zogen nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche friedlich mit Spruchbändern und Transparenten durch die Stadt. Auf der anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz ergriffen 21 Redner das Wort. Dieser Abend wurde zum Ausgangspunkt weitere öffentlicher Diskussionen und Massenproteste in Eilenburg.
Nur wenige waren sich damals der Größe des Augenblicks bewusst. Noch weniger waren es, die versuchten, das historische Geschehen mit ihren Kameras auf Celluloid für die Nachwelt zu dokumentieren. Zu den wenigen gehörte der damals 16 jährige Thomas Skowronek.
Mit fotografischem Gespür für den entscheidenden Moment wurde er quasi zum Bildchronisten der Eilenburger Ereignisse. Rund 50 seiner aussagekräftigen Aufnahmen finden sich hier erstmalig veröffentlicht. Auch Günther Fiedler war die historische Bedeutung des "Augenblicks". Auch er dokumentierte das Geschehen in Eilenburg mit seiner Kamera. Als Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR versuchten ihm die Kamera zu entreißen, halfen ihm andere Demonstrationsteilnehmer.
Die Inhalte der einzigartigen Bilddokumente werden kurz kommentiert und mit zeitgenössischen Auszügen des von der Jungen Gemeinde der Eilenburger Nikolaigemeinde herausgegebenen Blattes "Unkraut", Zitaten aus der Leipziger Volkszeitung, dem damaligen Bezirksorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) sowie Berichten und Informationen von inoffiziellen und hauptamtlichen Mitarbeitern von Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und anderen Dokumenten ergänzt und unterstützt.
Die Dokumentation stellt den ersten Versuch einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Geschehens im Herbst´89 in Eilenburg dar, erhebt aber in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll für alle, die im Herbst'89 den aufrechten Gang wieder lernten, Denkmal sein. Den beiden Bildautoren, allen Helfern, Unterstützern und Förderern sei recht herzlich gedankt.

Andreas Flegel

Eilenburger Geschichts- und Museumsverein e.V.

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